Etihad Airways ist kein neuer Kaugummi

Der Kracher in Manchester – ein Vorbericht zur Einstimmung (von Uli)

Es war der helle Wahnsinn, was da am 13. Mai dieses Jahres im englischen Fußball passierte. Wir Borussen haben allerdings kaum etwas davon mitbekommen, denn wir kamen an diesem Tag gerade vom Pokalfinale aus Berlin zurück und reisten gleich weiter nach Dortmund zum Fest-Umzug des Double-Siegers. Währenddessen ging im Norden Englands der Punk ab. Was für ein Saison-Finale! Vor dem letzten Spieltag liegen die beiden Vereine aus Manchester punktgleich vorne, aber City hat gegenüber United das bessere Torverhältnis. Die Blues waren seit 44 Jahren kein Meister, alles ist voller Hoffnung auf den ersehnten Titel, aber während United die Pflichtaufgabe in Sunderland gewinnt, bricht bei den Citizens Panik aus, als man plötzlich mit 1:2 im eigenen Stadion gegen die abstiegsgefährdeten Queens Park Rangers hintenliegt – und zwar bis in die Nachspielzeit. Ein Sieg muss her, und der kommt tatsächlich noch. Dzeko (90.+2) und Aguero (90.+4) drehen das Ding auf 3:2, und es spielten sich tagelang Szenen des Wahnsinns in den Stadtteilen der Blauen ab. Endlich wieder Meister, und dann auch noch den Stadtrivalen aber so richtig in die Rosette getreten.

Der Kracher in Manchester – ein Vorbericht zur Einstimmung (von Uli)

 

Es war der helle Wahnsinn, was da am 13. Mai dieses Jahres im englischen Fußball passierte. Wir Borussen haben allerdings kaum etwas davon mitbekommen, denn wir kamen an diesem Tag gerade vom Pokalfinale aus Berlin zurück und reisten gleich weiter nach Dortmund zum Fest-Umzug des Double-Siegers. Währenddessen ging im Norden Englands der Punk ab. Was für ein Saison-Finale! Vor dem letzten Spieltag liegen die beiden Vereine aus Manchester punktgleich vorne, aber City hat gegenüber United das bessere Torverhältnis. Die Blues waren seit 44 Jahren kein Meister, alles ist voller Hoffnung auf den ersehnten Titel, aber während United die Pflichtaufgabe in Sunderland gewinnt, bricht bei den Citizens Panik aus, als man plötzlich mit 1:2 im eigenen Stadion gegen die abstiegsgefährdeten Queens Park Rangers hintenliegt – und zwar bis in die Nachspielzeit. Ein Sieg muss her, und der kommt tatsächlich noch. Dzeko (90.+2) und Aguero (90.+4) drehen das Ding auf 3:2, und es spielten sich tagelang Szenen des Wahnsinns in den Stadtteilen der Blauen ab. Endlich wieder Meister, und dann auch noch den Stadtrivalen aber so richtig in die Rosette getreten.

 

Wer ist eigentlich City? Manchester, mit 500.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Englands, hat zwei große Clubs. Die Blues standen immer im Schatten von Rekord-Champion United, wurden seit ihrer Gründung 1880 nur dreimal Meister (1937, 1968, 2012), fünfmal FA-Cup-Sieger und holten 1970 den Europapokal der Pokalsieger. Der große Einbruch kam Mitte der 90er Jahre, Abstieg aus der Premier League, 1998 sogar ein Jahr Drittklassigkeit. Unter Trainer Kevin Keegan, der „Mighty Mouse“ vom HSV, ging’s wieder hoch in Liga 1, und Manager wie Pearce, Eriksson, Hughes und aktuell Mancini machten City wieder zu einer festen Größe.

 

Maßgeblicher Grund für den schnellen Aufschwung war aber 2008 der Einstieg eines arabischen Scheichs, der alle Anteile von City für 185 Mio. € aufkaufte und die ebenfalls arabische Fluggesellschaft Etihad Airways als Hauptsponsor ins Boot holte. Prompt gewann der Verein 2011 den FA-Cup, wurde in der Liga Dritter und nahm erstmals an der CL teil. Das gerademal zehn Jahre alte City of Manchester Stadium heißt nun Etihad Stadium, hat fast 48.000 Sitzplätze (Steher gibt‘s in England nicht), und die Gäste-Fans haben ihren Platz auf der South Stand, also Südtribüne. Bekannteste Spieler sind Joe Hart (Nationaltorwart), Vincent Kompany (Ex-HSV), Edin Dzeko (Ex-Wolfsburg), Maicon, Carlos Tevez und Mario Balotelli (jawohl Mädels, der mit dem Körper). Letzter deutscher Gegner war Bayern; in der Vorrunde 2011/12 gewannen die Roten 2:0 dahoam und verloren in Manchester mit einer B-Elf 0:2. City rutschte in die Euro League und scheiterte im Achtelfinale an Sporting Lissabon.

 

Eine Anekdote darf nicht fehlen, wenn es um City geht. Oft erzählt, und immer wieder gut. Warum haben deutsche Spieler dort einen so guten Ruf? Richtig, da war doch was. Bert Trautmann hieß er, der deutsche City-Torwart aus den 50er Jahren. Im FA-Cup-Finale 1956 brach er sich in der 75. Minute das Genick (genauer gesagt: ein Halswirbel gebrochen und fünf ausgerenkt), spielte aber trotzdem bis zum Schluss durch. Dass er überlebte, gilt bis heute als medizinisches Wunder. Er lebt heute als fast 90jähriger in Spanien, ist aber in Manchester ein unvergessenes Idol.

 

Manchester City ist einer der reichsten Vereine der Welt. Aber das kam durch grobe Missachtung des Financial-Fair-Play-Gedankens zustande. Trotzdem ist es keine Retorte wie Hoppenheim oder Wolfsburg, sondern ein traditionsreicher, gewachsener Club mit einer tollen Fan-Kultur. Die Blues haben kein Operetten-Publikum wie Bayern oder United, sondern echte, erfolgshungrige Anhänger.

 

Die Mitfahrer mögen bedenken, dass die Insulaner immer noch keinen Euro haben. Der Kurs ist ungefähr 4 zu 5, d.h. die 35-Pfund-Eintrittskarte liegt bei 43 EUR. Für britische Verhältnisse echt okay. Allen Fanclub-Mitgliedern, die sich aktiv um zusätzliche Karten bemüht und somit die Fahrt überhaupt erst möglich gemacht haben, sei herzlich gedankt! Wir werden das Beste draus machen!